hartzcore I
feldversuch sozialabbau in deutschland


6/6/2006

des (un)sinns fette beute

Veröffentlicht von: laborleiter @ 08:07 [ vor 5 Jahren, 8 Monaten ]

da ist man noch nicht ganz mit dem kopfschütteln fertig von dem anlauf bestimmter herren aus den wohlfahrtsverbänden, die lage der arbeitslosen noch ein wenig zu verschlimmbessern, schon wird noch einer draufgesetzt und otto waalkes ironie zur realität: …ich lächelte und war froh, und es kam schlimmer.

Länderchefs unzufrieden mit Korrekturen
Union und SPD hatten am Donnerstag im Bundestag unter anderem beschlossen, dass hartnäckigen Arbeitsverweigerern die Unterstützung gestrichen werden kann. Den Unions-Länderchefs reichen die Änderungen angesichts der steigenden Kosten für Hartz IV aber nicht aus.

das ganze begleitet durch die posaunen der unabhängigen presse:

Schwarz-Rot will Arbeitsunwilligen ans Geld

da hat aber scheinbar jemand wortfindungsschwierigkeiten gehabt:
arbeitsfaul (url - regierung-will-arbeitsfaulen-ans-geld.html), arbeitsscheu, arbeitsunwillig.

kaum will man den schaden eingrenzen, kommt es noch schlimmer, das internet kann echt gemein sein. schreiben auf papier war doch irgendwie angenehmer.

anfangs denkt man gleich an arbeitslager oder pranger, der konsum der ganzen horrorfilme in den privaten hinterlässt seine spuren.

dass es auch anders geht, eine sternstunde des deutschen journalismus, zeigt nadja klinger im tagesspiegel.

manch einer zweifelt schon, ob es überhaupt noch sinn macht gegen die nebelkerzen von frau sabine und ihren 7 wirtschaftswaisen gegenanzuschreiben oder fühlt sich fremd und ausgegrenzt in diesem land.

Je grenzenloser aber die Gier unserer Geldelite; je grenzenloser die Lust mancher Politiker daran, Millionen, die sich nicht scheffeln lassen, täglich zu demütigen; je grenzenloser die Bereitschaft unserer Journalisten, um des Mammons willen zum Sprachrohr all jener Irren zu werden, desto ausgegrenzter und fremder fühle ich mich in diesem Land,…

kommt zeit, kommt rat.

Mit den Ein-Euro-Jobs – im Amtsdeutsch »Arbeitsgelegenheiten mit Mehraufwandsentschädigung« – hat der Gesetzgeber de facto ein attraktives Angebot unschlagbar günstiger Arbeitskräfte vor allem für kommunale und gemeinnützige Arbeitgeber geschaffen. Im Gegensatz etwa zu Mitarbeitern aus Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (ABM) kostet der Ein-Euro-Jobber seinen Arbeitgeber nämlich gar nichts.

Auch im Bundessozialgericht in Kassel wird der Boom der »Arbeitsgelegenheiten« im Lande mit größter Sorge verfolgt. Das Arbeitsmarktinstrument Ein-Euro-Job, warnen oberste Sozialrichter, habe sich weitgehend verselbstständigt. Losgelöst von den gesetzlichen Vorschriften, schafften Kommunen, Wohlfahrtsverbände und Jobvermittler unter den Augen der Arbeitsverwaltung eine ganz neue Subkultur von nichtständigen Beschäftigungsverhältnissen.

wahrscheinlich gibt es noch zuviele zusatzjobber, die den aushilfjob ablehnen, da muss doch was mit nachbessern (welch ein wort für dieses machwerk) zu machen sein. obwohl das mit den arbeitslagern hätte was. wenn der blockälteste weckt, sind alle immer schön pünktlich.

…wird in Schriften wie dem letztjährigen Arbeitsmarktreport »Vorrang für die Anständigen« des damaligen Clement-Ministeriums munter fabuliert, dass die Arges »immer präzisere Stellenbeschreibungen für den Einsatz von Zusatzjobbern« festlegten und sie »in der Praxis überprüfen« würden. Wenn der Bundesrechnungshof ein gutes halbes Jahr später feststellt, dass 75 Prozent aller untersuchten Ein-Euro-Jobs gar nicht ernsthaft geprüft wurden, dann hatte das Ministerium entweder keine Ahnung – oder es hat gelogen.

gelogen ist aber etwas hart formuliert, schön geredet und gerechnet hört sich doch viel netter an.

ein interessanter gedanke zur reform von hartz IV kommt von side effects:

Es wäre bereits heute möglich, Jobrotation einzuführen, d.h., ein halbes Jahr verwalten die Bürokraten die Arbeitslosen, dann wird der Spiess umgedreht und für ein halbes Jahr werden die Bürokraten von den Arbeitslosen verwaltet.

huch, was ist den jetzt passiert, drei hartz IV kritische artikel auf einen haufen. irgendwo was im grundwasser?

Sie haben sich deshalb von Sozialpolitik verabschiedet und auf Sozialzynismus verlegt. Der, wie sie vielleicht unter sich sagen würden, “Bodensatz” der Chancenlosen wird diffamiert, gegen die Leute mit Job ausgespielt, möglichst billig gehalten, vielleicht auch noch zu kostenloser Arbeit gezwungen und in die Resignation getrieben.

Wir erleben die Kapitulation des Sozialstaats auf Kosten derer, die seine Förderung bräuchten. Der Preis, der bewusst in Kauf genommen wird, ist eine gespaltene Gesellschaft. Traurig, dass die SPD sich für so etwas hergibt.





2 Comments »


  1. Mit Blick auf die SPD habe ich heute vormittag dieses Posting verfaßt: http://37sechsblog.de/?p=699

    Man kann sich ja nur wundern, was die SPD-Fraktion im Bundestag so alles mitträgt. Aber wie es scheint, unterschätzt die Fraktion die Begehrlichkeiten der Union.

    Im Übrigen: Ich hätte es nie für möglich gehalten, dass eine FDP gegen die Verschlimmbesserung von “Hartz IV” (SGB II) stimmt und von den Sozialdemokraten nur E I N E R namens Ottmar Schreiner.

    Verrückte Welt, wenn es nicht so jämmerlich wäre.

    Kommentar von Andreas Skowronek — 6/6/2006 @ 15:38



  2. Vielleicht wäre eine Aktion a la ‘Gesicht zeigen’ für die grosse Masse der Nichtbeschäftigten mal angesagt. Mit hungerloehner.de ist zumindest ein kleiner Anfang gemacht.

    Kommentar von mkorsakov — 7/6/2006 @ 11:38





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