parasitäre wohlfahrtsverbände
Bonn/Göttingen. Für helle Aufregung sorgte am Morgen dieses Tages die Meldung, wonach die Spitzenwohlfahrtverbände AWO, Diakonie und Rotes Kreuz sich in einem offenen Brief an die Fraktionen der großen Koalition gewandt haben und Leistungseinschnitte bei den Passivarbeitslosen gefordert haben. Das Erwerbslosen Forum Deutschland sprach von reiner Profitgier. Damit würden diese Verbände zeigen, dass es ihnen nur noch um Gewinne ginge und sie dafür ihre Leitbilder über den Haufen werfen würden. Schon lange hätten diese Verbände gezeigt, dass ihnen Arbeitnehmerrechte und adäquate Entlohnung ein Dorn im Auge wären. Ebenso hätte sich gezeigt, dass es ihnen keineswegs um Integration von Arbeitslosen ginge, sondern sie nur Interesse an der Ausnutzung billigster Arbeitskräfte in Form von 1-Euro-Jobbern hätten, um im sozialen Bereich Dumpinglöhne einzuleiten.
passivarbeitslose sind wahrscheinlich jene subjekte, die sich dagegen wehren, durch ein-euro-jobs reguläre arbeitsplätze bei besagten verbänden zu vernichten.
eine sehr gute erklärung für die interessenlage der wohlfahrtsverbände zum thema findet sich bei tacheles.
Die Diakonie ist damit nicht nur einer der größten Arbeitgeber überhaupt, sondern auch einer der größten Niedriglohn-Arbeitgeber. Für Arbeitsplätze in den W-Gruppen dürfte es jetzt schon so sein, daß das Netto-Gehalt kaum attraktiver ist als SGB-II-Leistungen. Fachkräfte wie Krankenschwestern, Altenpflegerinnen oder Erzieherinnen werden zwar noch relativ gut bezahlt im diakonischen Dienst. Aber auch für sie ist in allen Ländern eine Diskussion über die Absenkung der kirchlichen Tarifgehälter im Gange, im Bereich der Landeskirche Hessen-Nassau wurde sie schon umgesetzt.
Deshalb könnte die Befürchtung schon zutreffen, daß man bald keine motivierten Bewerber mehr finden kann, falls die Hartz-IV-Leistungen nicht deutlich gesenkt werden. Die Ein-Euro-Jobs kommen zwar gerade auch den Sozialbetrieben zugute, aber damit läßt sich auch nicht jeder Arbeitsplatz ersetzen. Im Gegensatz zur Industrie kann ein Krankenhaus- oder Heimbetreiber auch nicht einfach ins Ausland ausweichen. Wenn in Deutschland niemand mehr für ca. 600 bis 800 Euro netto Vollzeit arbeiten will, bleibt im Diakonie-Altenheim die Küche kalt.
eine interessante korrespondenz entwickelt sich bei so-zi-al
Wer solche Chefs hat, braucht keine Feinde mehr!
eine distanzierende stellungnahme der diakonie wurde auch schon gesichtet
Mit großer Betroffenheit hat das Diakonische Werk Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (DWBO) die als persönlich bezeichnete Erklärung des Präsidenten des Diakonischen Werkes der Evangelischen Kirche in Deutschland, Dr. Jürgen Gohde, zur Kenntnis genommen.


Leistungseinschnitte bei Passivarbeitslosen.
Mir stellt sich hier die Frage, was ein Passivarbeitsloser ist. Und, im Gegensatz dazu, ein Aktivarbeitsloser. Ist der Aktivarbeitslose eine Person, die sich aus eigenem Antrieb in die Arbeitslosigkeit begeben hat? Und ein Passivarbeitsloser ist demzufolge eine vom Arbeitgeber gekündigte Person? Eine wahrhaft nette Form der Diskriminierung.
Kommentar von pathologe — 19/5/2006 @ 12:46
moin moin,
aktivarbeitslose sind leute, die aktiv an der gewinn-mehrung der parasitären wohlfahrtsverbände in form von ein-euro-jobs teilnehmen.
passivarbeitslose sind die, die solche jobs ablehnen.
ganz einfach oder?
Kommentar von laborleiter — 19/5/2006 @ 17:56
Ein-Euro-Jobber sind per Definition keine Arbeitslose mehr und fallen daher aus der Statistik. Leider habe ich den Link zu dem Artikel in der “Zeit” nicht mehr, in dem ein großer Automobilhersteller (DC) Hartz-4-Empfänger zum Bau einer Baureihe einstellen möchte. Zu welchem Preis, das wurde leider nicht geschrieben. Ob für einen Euro (schließlich nützt so ein Fahrzeug bestimmt einem Gemeinen), oder als Minijob zu 400 Euro, wer weiß? Damit bekämen aber die p.W. wieder Beiträge in ihre Kassen gespült. Leibeigenschaft, ich seh dich kommen.
Djambo, Master, darf ich Auto waschen?
Kommentar von pathologe — 19/5/2006 @ 19:02
Es wird wirklich Zeit, dass den Menschen die Augen aufgehen.
Kommentar von Claudia — 20/5/2006 @ 20:08
Das liegt wohl daran, dass es ein SPIEGEL-Artikel war
http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,416748,00.html
Vom Gehalt steht nichts drin, lediglich von der geringen Dauer; es handelt sich also um ein “Hire and Fire”, wird aber soweit wohl ausreichend bezahlt. Ist ja auch nicht gemeinnützig, wird also ganz sicher kein Ein-Euro-Job sein.
Kommentar von Manfred — 22/5/2006 @ 15:46